News

Mundatmung und falsche Zungenruhelage bei Kindern und Teenagern korrigieren

Dr. Carina Wick | Kinderzahnärztin

Viele Eltern bemerken es zuerst ganz nebenbei: Das Kind hat häufig den Mund offen, schläft unruhig, schnarcht vielleicht oder wacht morgens mit trockenen Lippen auf. Manchmal fällt auch auf, dass die Zunge beim Sprechen, Schlucken oder in Ruhe zwischen den Zähnen liegt.


Gelegentliche Mundatmung ist nicht ungewöhnlich, zum Beispiel bei Schnupfen oder einer verstopften Nase. Wenn ein Kind jedoch dauerhaft überwiegend durch den Mund atmet, sollte die Ursache abgeklärt werden. Denn Nasenatmung, Zungenruhelage, Lippenhaltung und Kieferwachstum hängen eng zusammen und können die Entwicklung von Zähnen und Kiefer beeinflussen.


In unseren kieferorthopädischen Praxen in 1060 Wien und Linz untersuchen wir, ob Mundatmung oder eine falsche Zungenruhelage die Zahn- und Kieferentwicklung Ihres Kindes negativ beeinflussen und empfehlen gegebenenfalls eine entsprechende Therapie. 


Jetzt online Termin vereinbaren

*Bitte beachten Sie: In unserer Wiener Praxis an der Mariahilferstraße sind wir Privatordination für zahnärztliche und kieferorthopädische Leistungen. Unsere Praxis in Linz ist eine rein kieferorthopädische Ordination mit Kassenvertrag für die Gratis Zahnspange.


Warum sind die richtige Atmung und Zungenruhelage so wichtig?


Das Wachstum des kindlichen Kiefers wird durch viele Faktoren beeinflusst. Neben der Vererbung spielen auch Atmung, Schlucken, Kauen, Lippenhaltung und Zungenlage eine wichtige Rolle.


Dauerhafte Mundatmung und eine falsche Zungenruhelage können unter anderem mit folgenden Veränderungen zusammenhängen:



  • schmaler Oberkiefer

  •  Platzmangel für die bleibenden Zähne

  • Engstand der Zähne

  • Kreuzbiss 

  • offener Biss 

  • instabile Zahnstellung nach einer früheren Zahnspange


Wenn die Zunge nicht am Gaumen liegt, fehlt ein natürlicher Wachstumsreiz für die Breite des Oberkiefers. Dadurch kann die Oberkieferentwicklung gestört werden, was  einem Schmalkiefer bis hin zu einem Kreuzbiss  führen kann. Dabei greifen die oberen Seitenzähne nicht wie vorgesehen außen über die unteren Seitenzähne, sondern stehen zu weit innen. Ein solcher Kreuzbiss sollte bei Kindern frühzeitig abgeklärt werden, da er das weitere Kieferwachstum beeinflussen kann.


Auch nach einer kieferorthopädischen Behandlung kann eine falsche Zungenruhelage problematisch sein. Wenn die Zunge weiterhin an falscher Stelle gegen die Zähne drückt, können sich Zähne als auch Kiefer während des Wachstums erneut verschieben. 


<<<<Mehr zum Thema Retainer nach Zahnspange erfahren Sie in diesem Beitrag. <<<<


Die Zunge spielt nicht nur beim Sprechen und Schlucken eine wichtige Rolle. Auch in Ruhe beeinflusst sie die Entwicklung des Oberkiefers.


In einer gesunden Ruhelage gilt:



  • Die Zunge liegt locker am Gaumen.

  • Die Lippen sind geschlossen.

  • Die Zähne berühren sich nicht fest.

  • Die Atmung erfolgt überwiegend durch die Nase.


Merksatz:


Lippen geschlossen, Zunge am Gaumen, Atmung durch die Nase.


Bei einer falschen Zungenruhelage liegt die Zunge häufig tief im Mundboden, zwischen den Zähnen oder drückt gegen die Frontzähne. Dadurch fehlt dem Oberkiefer ein wichtiger natürlicher Reiz. Das kann die Entwicklung von Kiefer und Zahnstellung ungünstig beeinflussen.


Mehr zur Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen finden Sie auf unserer Seite zur Kieferorthopädie in Wien und Linz.


Woran erkennen Eltern eine mögliche Mundatmung?


Nicht jedes Kind mit offenem Mund hat automatisch ein kieferorthopädisches Problem. Wenn mehrere Anzeichen regelmäßig auftreten, ist eine Abklärung jedoch empfehlenswert.


Typische Hinweise sind:



  • häufig offener Mund
    • trockene oder rissige Lippen
    • Schnarchen oder unruhiger Schlaf
    • Müdigkeit am Morgen
    • häufig verstopfte Nase
    • sichtbare Zunge zwischen den Zähnen
    • Zungenpressen beim Schlucken
    • Frontzähne schließen nicht richtig
    • schmal wirkender Oberkiefer
    • Engstand der Zähne
    Kreuzbiss oder offener Biss
    • Schwierigkeiten mit bestimmten Lauten


Besonders wichtig: Wenn Mundatmung mit Schnarchen, Atempausen im Schlaf, starker Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsproblemen verbunden ist, sollte zusätzlich eine medizinische Abklärung der Atemwege erfolgen.


Mundatmung bei Teenagern


Auch bei Jugendlichen ist Mundatmung ein wichtiges Thema. Viele Wachstumsprozesse sind zwar bereits fortgeschritten, aber noch nicht vollständig abgeschlossen.


Gerade vor oder während einer kieferorthopädischen Behandlung - beispielsweise mit der unsichtbaren Zahnspange - ist es wichtig, nicht nur die Zahnstellung zu betrachten. Auch die Funktion muss stimmen. Nur so kann das Behandlungsergebnis langfristig stabil bleiben.


Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite zur Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche.


Wie untersuchen wir Mundatmung und Zungenruhelage?


In unserer Praxis beurteilen wir nicht nur, ob die Zähne gerade stehen. Wir achten auch darauf, wie Ihr Kind atmet, schluckt und die Zunge in Ruhe hält.


Zur Untersuchung gehören unter anderem:



  • Beurteilung der Zahnstellung

  • Kontrolle von Ober- und Unterkiefer

  • Prüfung auf Kreuzbiss, offenen Biss oder Engstand

  • Einschätzung der Oberkieferbreite

  • Beobachtung von Lippenhaltung und Mundschluss

  • Beurteilung der Zungenruhelage

  • Hinweise auf Zungenpressen oder falsches Schluckmuster

  • Besprechung von Schlaf, Schnarchen und Nasenatmung

  • Beurteilung der Zungenmobilität und des Zungenbändchens


Wenn der Verdacht auf eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit oder ein zu kurzes Zungenbändchen besteht, empfehlen wir je nach Befund eine weitere Abklärung, zum Beispiel beim Logopäde und in Folge gegebenenfalls eine chirurgische Korrektur des Zungenbändchens. Diese Korrektur kann bei entsprechender Indikation durch unseren Facharzt für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie Dr. Dr. Felix Wick in unserer Praxis durchgeführt werden.


Bei Hinweisen auf eine eingeschränkte Nasenatmung empfehlen wir eine zusätzliche Abklärung durch einen HNO. Denn eine kieferorthopädische Behandlung kann nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn auch die Ursache der Mundatmung berücksichtigt wird.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Mögliche Schritte sind:



  • kieferorthopädische Frühbehandlung bei schmalem Oberkiefer, Kreuzbiss oder auffälliger Zahnstellung

  • myofunktionelle Therapie zur Stärkung von Lippen, Wangen und Zunge

  • Logopädie bei Sprachauffälligkeiten, Lispeln oder falschem Schluckmuster

  • regelmäßige Übungen zu Hause zur Unterstützung der Behandlung (Diese Übungen werden in der Regel individuell durch die Logopädie oder myofunktionelle Therapie angeleitet und unterstützen die Umstellung von Zungenlage, Lippenhaltung und Schluckmuster)

  • Bei zu kurzen Zungenbändchen: chirurgische Korrektur des Zungenbändchens (siehe oben) Ob eine Korrektur sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter des Kindes und dem individuellen Befund ab. 

  • HNO-ärztliche Abklärung und gegebenenfalls Behandlung von Polypen, vergrößerten Rachenmandeln oder anderen Faktoren, die die Nasenatmung behindern


Unser Ziel: Gesunde Funktion statt nur gerade Zähne


In der Kieferorthopädie geht es nicht nur darum, Zähne gerade zu stellen. Eine stabile Zahnstellung braucht auch eine gesunde Funktion.


Dazu gehören:



  • freie Nasenatmung

  • entspannter Lippenschluss

  • richtige Zungenruhelage

  • korrektes Schlucken

  • harmonisches Kieferwachstum


Wenn diese Grundlagen stimmen, kann sich der Kiefer besser entwickeln. Gleichzeitig bleiben kieferorthopädische Ergebnisse langfristig stabiler.




Je früher funktionelle Störungen wie Mundatmung, falsche Zungenruhelage oder ein Kreuzbiss erkannt und behandelt werden, desto besser lässt sich das Wachstum positiv beeinflussen. Deshalb beginnen wir bei Kindern mit Kreuzbiss häufig bereits im Wechselgebiss, also etwa ab dem 6. Lebensjahr, mit einer Behandlung.


In diesem Alter kann das Wachstum des Oberkiefers noch gut genutzt werden. Je älter Patientinnen und Patienten sind, desto schwieriger wird es, einen sehr schmalen Oberkiefer allein kieferorthopädisch zu korrigieren. 


Was bedeutet das für Erwachsene?


Patient:innen kommen zunehmend mit Fragen zu Atmung, Schlafqualität oder möglichen Atemwegsproblemen in die Praxis. Wichtig ist: Eine Zahnspange allein verbessert die Atmung in der Regel nicht automatisch. Wenn Beschwerden wie nächtliches Aufschrecken, Atempausen, starkes Schnarchen oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit bestehen, sollte zunächst eine erweiterte medizinische Abklärung erfolgen, zum Beispiel über HNO, Schlafmedizin bzw ein Schlaflabor oder gar einen Lungenfacharzt.


Bei Erwachsenen mit deutlich zu schmalem Oberkiefer kann in einzelnen Fällen eine chirurgisch unterstützte Oberkiefererweiterung oder eine kieferchirurgische Umstellungsosteotomie notwendig sein. Dabei wird ein Kiefer oder werden beide Kiefer chirurgisch nach vorne verlagert, um den Atemraum, den sogenannten Airway Space, zu vergrößern. Das ist jedoch eine komplexe Behandlung und wird nur nach sorgfältiger Diagnostik und interdisziplinärer Abklärung geplant.


In unseren Praxen in Wien und Linz nehmen wir uns gerne die Zeit, die Zusammenhänge verständlich zu erklären und gemeinsam mit Ihnen den passenden Weg für Ihr Kind zu finden.


Bitte beachten Sie: In unserer Wiener Praxis an der Mariahilferstraße sind wir Privatordination für zahnärztliche und kieferorthopädische Leistungen. Unsere Praxis in Linz ist eine rein kieferorthopädische Ordination mit Kassenvertrag für die Gratis Zahnspange.

Zur Übersicht